Ortsgeschichte

Einleitung

Die Lage an der Donau bestimmt die Geschichte des Ortes. Nahrung ist gut zu beschaffen, so gibt es bereits Siedlungsfunde aus der Frühzeit, aber auch das Hochwasser droht. Die Donau und die nahen Flussübergänge machen unsere Gegend auch zum historischen Verkehrsknoten von überregionaler Bedeutung, sie verband Kulturen, führte aber auch Armeen vieler Nationen hier her. Auch das Schloss dürfte seine Anfänge seiner strategischen Stelle zu verdanken haben.

Die Frühzeit

Schon seit etlichen Jahrtausenden siedelten Menschen verschiedener Rassen und Kulturen in unserem Raum, wie durch zahlreiche Funde in der Umgebung belegt wurde. Im direkten Bereich der Wackersteiner Flur fand man:

  • ein Grab aus der Latenezeit (ab 450 v. Chr.; damals sickerten Kelten aus der Maingegend hier ein und lebten neben Hallstattleuten),
  • Befestigungsanlagen der Urnenfelderzeit (jüngere Bronzezeit, ca. 1300 v. Chr.; Nachweis mittels Luftbildarchäologie),
  • und befestigte Herrenhöfe der darauf folgenden Hallsteinzeit (ältere Eisenzeit, ca. 700 v. Chr.; ebenfalls Luftbildarchäologie).

 

Die Lage an der Donau, Kriege und Seuchen

Historischer Verkehrsknoten, ...

Historisch betrachtet liegt Wackerstein an verkehrsgünstiger Stelle an der Donau. Der Fluss selber ist Fernstraße und Handelsweg, verbindet über weite Distanzen Kulturen im ansonsten undurchdringlichen Europa. Seit Menschengedenken läuft die verkehrsreiche Donautalstraße direkt an Wackerstein vorbei. Im nahen Pförring ist die Donau breit und seicht, erst etwa 150 Jahre vor unserer Zeit wurde sie in ein enges Bett gezwängt. Vorher - wie schon die Nibelungensage berichtet - war dort ein Flussübergang von weit überregionaler Bedeutung. Eigentlich ein idealer Handels- und Siedlungsplatz, denn entlang von Flüssen sind naturgemäß Wasser und Nahrung relativ leicht zu beschaffen - wenn nicht gerade ein Hochwasser das gesamte Hab und Gut bedroht, wie die Chronisten wiederholt zu berichten wissen.

... Durchmarschgebiet ...

Ideale Verhältnisse aber auch für Truppenbewegungen. Egal, ob lokale Stammesfürsten plündernd durch die Gegend ziehen, oder Napoleon Europa durchquert, schnelles Vorankommen erfordert gute Verkehrswege. Und immer, wenn Truppen durch unsere Region marschieren, ob in West-Ost-, oder Nord-Süd-Richtung, sie müssen der Donau entlang, oder bei Pförring darüber hinweg. Im Vorbeimarsch wird Wackerstein vom Feind geplündert oder von eigenen Truppen zur Versorgung und zu Spanndiensten herangezogen.

... und Kriegsschauplatz.

Plünderungen in Wackerstein werden gemeldet, als Ludwig der Bayer Vohburg erobert (1315) und sie sich sein Bruder Rudolf zwei Jahre später wieder zurückholt. Weitere, als der Landsknechtführer Wiesbeck während des Landshuter Erbfolgekrieges (1503 - 1505) sengend und brennend von Neuburg nach Pförring zieht, ebenso im Schmalkaldischen Krieg (1546/47).

Im 30-jährigen Krieg (1618-48) muss unsere Heimat schwer bluten, Truppendurchzüge, Einquartierungen und Plünderungen reißen nicht ab, die Dörfer der Donau entlang werden wiederholt niedergebrannt. Niederländer, Wallonen, Florentiner, Panduren, Pappenheimer, Kroaten, Schweden, Österreicher, Franzosen, Kosaken, Engländer: die Aufzählung trennt nicht nach Freund und Feind, nach dem Krieg sind die Felder verwildert, die Dörfer dezimiert, alle hatten sie ihren Anteil daran.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 - 1714) quartieren sich feindliche Österreicher vier Wochen in Vohburg, Menning, Dünzing, Wackerstein und Pförring ein. Zu den Plünderungen bringt 1713 die Pest ein großes Sterben über unsere Gegend.

Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 - 1748) sind die Österreicher ab 1743 Besatzungsmacht, 1742 bricht erneut die Pest aus.

Ab 1795 sind wieder die Franzosen im Land, zwischen Wackerstein und Dünzing wird von Kämpfen berichtet, die feindlichen Franzosen verlangen Kontributionen (Schutzgeld, Unterhaltszahlungen an die Besatzungsmacht), die verbündeten Österreicher plündern Dünzing im Siegestaumel. Erzherzog Karl lässt zwischen Wackerstein und Pförring Truppen mit einer Schiffsbrücke übersetzen. In den Jahren 1797 bis 1799 erfolgen fortgesetzt Durchzüge österreichischer und russischer Hilfstruppen. 1800 setzen die Franzosen zum Gegenstoß an, Wackerstein liegt im Aufmarschgebiet und muss wieder Kontributionen entrichten.

Bayern wechselt 1805 die Fronten, Kurfürst Max Josef verbündet sich mit Napoleon gegen Österreich. Bis 1809 ständig Truppendurchzüge, am 19. April kommt es bei Abensberg zu einer Schlacht, die Österreicher werden von bayerischen und französischen Truppen zurückgeworfen. Am folgenden Tag besichtigt Napoleon vom Hohen Stein bei Dünzing aus seine Truppen und lobt die Bayern ob ihrer Tapferkeit. Der Kampf entbrennt erneut, die Österreicher werden endgültig vertrieben, endlich hat die Heimat Ruhe.

Bereits 1806 ernennt Napoleon Bayern zum Königreich, ein modernes Staatswesen entsteht, die neuen Gesetze wirken sich auch in Wackerstein aus (siehe Schlosschronik ab 1818).

Auch im 1. und 2. Weltkrieg hat der Ort Opfer zu beklagen, im 2. Wk fallen mehrere Bomben auf Wackerstein, eine trifft das Ökonomiegebäude des Schlosses, eine andere den Donaudamm, eine dritte durchschlägt ein Wohnhaus, detoniert aber nicht.